Jesu erste Predigt 

von Hans-Erwin Schotten

 

Lukas berichtet uns davon im Kapitel 4, 14-30. Jesus ist in Nazareth und ging nach seiner Gewohnheit am Sabbat in die Synagoge. Man reicht ihm die Schriftrolle mit Jesaja und Jesus las die Stelle, die wir heute als Kapitel 61, 1-2 kennen. So heißt es in Lukas 4, 18-19: „Der Geist des Herrn ist auf mir, weil er mich gesalbt hat, zu verkündigen das Evangelium den Armen, er hat mich gesandt, zu predigen den Gefangenen, daß sie frei sein sollen, und den Blinden, daß sie sehen sollen, und den Zerschlagenen, daß sie frei und ledig sein sollen, zu verkündigen das Gnadenjahr des Herrn.“

 

Jesus verbindet mit seinem Zitat drei Sabbate miteinander. Er tritt an einem wöchentlichen auf und gibt Inhalte wieder, die mit dem Sabbatjahr, das alle sieben Jahre gefeiert werden sollte und mit dem Sabbatjahr, das alle 50 Jahre begangen wurde. Welche Gemeinsamkeiten haben diese drei Feste? Zum 50. Jahre heißt es in 3. Mose 25, 10: „Und ihr sollt das fünfzigste Jahr heiligen und sollt eine Freilassung ausrufen im Lande für alle, die darin wohnen; es soll ein Erlaßjahr für euch sein. Da soll ein jeder bei euch wieder zu seiner Habe und zu seiner Sippe kommen.“ Über das Sabbatjahr alle sieben Jahre geben uns die Verse 6-7 Auskunft: „Was das Land während seines Sabbats trägt, davon sollt ihr essen, du und dein Knecht und deine Magd, dein Tagelöhner und dein Beisasse, die bei dir weilen, dein Vieh und das Wild in deinem Lande; all sein Ertrag soll zur Nahrung dienen.“ Über den wöchentlichen Sabbat schreibt Mose im Auftrag Gottes in 2.Mose 20, 10: „Aber am siebenten Tage ist der Sabbat des Herrn, deines Gottes. Da sollst du keine Arbeit tun, auch nicht dein Sohn, deine Tochter, dein Knecht, deine Magd, dein Vieh, auch nicht dein Fremdling, der in deiner Stadt lebt.“

 

Neben der Aufforderung zur Ruhe ist in den drei Fällen auch bemerkenswert, dass es sich um Befreiung handelt. Abhängige sollten in die Freiheit entlassen werden, soziale Ungleichheit sollte wieder aufgehoben werden, für alle galt die wöchentliche Befreiung von der Arbeit, selbst für Tiere. Genau diesen Gedanken der Befreiung hat Jesus in seiner Predigt in den Vordergrund gestellt.

 

Besonders deutlich kommt dies auch in Lukas 13, 10-17 hervor. Dreimal wird hier das Wort „lösen“ in irgendeiner Form benutzt. In Vers 13 als „frei“, in Vers 15 als „losbinden“ und in Vers 16 als „lösen“. Hier werden zwei verschiedene Wörter benutzt, die aber beide die Grundbedeutung von freimachen, lösen haben. Jesus identifiziert sich mit dem Sabbat als Befreiung, Erlösung, schließlich ist er der Löser von der Macht der Sünde. Der Vorsteher der Synagoge versteht ihn nicht und auch nicht die Bedeutung des Sabbats wie Jesus ihn sieht. Der Vorsteher interpretiert den Tag im Verständnis der Ältesten, die ihre eigenen Interpretationen hatten. Jesus aber macht die Bedeutung des Tages klar, so wie er die anderen Gebote in ihrer wahren Bedeutung erklärte.

 

Einige Theologen haben sich verwundert darüber geäußert und die Frage gestellt, warum sollte sich Gott von Anfang an so viel Mühe gemacht haben, diesen Tag als wichtig in den Vordergrund zu stellen und dann mit einem Mal für ungültig zu erklären und zu einem späteren Zeitpunkt wieder in Gültigkeit zu setzen? Diese Frage ist wohl berechtigt. Geht es nicht seit dem Erscheinen Gottes hier auf Erden im Herrn um die Befreiung/Lösung aus der Gebundenheit der Macht der Sünde? Wird dies nicht anhalten bis zum zweiten Kommen Christi?

 

   

 

 

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