Die Reinheit der Pharisäer

von Hans-Erwin Schotten  

 

Matthäus 23, 25 – 28: „Weh euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, ihr Heuchler, die ihr die Becher und Schüsseln außen reinigt, innen aber sind sie voller Raub und Gier! Du blinder Pharisäer, reinige zuerst das Innere des Bechers, damit auch das Äußere rein wird! Weh euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, ihr Heuchler, die ihr seid wie die übertünchten Gräber, die von außen hübsch aussehen, aber innen sind sie voller Totengebeine und lauter Unrat! So auch ihr: von außen scheint ihr vor den Menschen fromm, aber innen seid ihr voller Heuchelei und Unrecht.“

Jesus hat sich im Kapitel 23 die religiöse Führungsschicht seines Volkes vorgenommen. Es wäre sinnvoll, wenn sie sich einmal das ganze Kapitel durchlesen würden. Hier nur einige Bemerkungen zu dem, was Jesus vor Vers 25 sagte.
Er machte dieser Führungsschicht den Vorwurf, dass sie ihre Stellung missbrauchten. Aber das ist ja nichts Neues. Das war schon davor geschehen und in einer Anzahl christlicher Organisationen ist dies bis heute der Fall. Jesus hat öfters seine Nachfolgern davor gewarnt, der eigenen Macht und Ehre zu dienen, weil sie sonst Gott der Ehre berauben würden und der Gemeinde nicht dienen könnten.
In den Versen 23 und 24 deutet die Zusammenstellung von Barmherzigkeit und Glaube auf dies Recht hin. Also niemanden zu unterdrücken oder der Herrschsucht freien Lauf zu lassen. Den Vorwurf, den Jesus den führenden Personen macht, ist, dass sie Gott viel zu wenig lieben würden und aus diesem Grund haben sie auch kein Erbarmen mit den Mitmenschen.
Jesus macht auch deutlich, dass sein Volk zu seiner Zeit nicht an Irrlehren scheiterte, sondern an den eigenen Sünden. Es fehlte ihm an der Bereitschaft zur Umkehr, zur Abkehr von den Sünden und der Hinwendung zu Gott. Natürlich tat man äußerlich so, als ob die Welt in Ordnung wäre aber das Herz war nicht bei Gott. Umkehr fehlt heute genauso aber es gibt dazu auch viele Irrlehren.
 

 

So kommt Jesus zu dem Kern des ganzen Problems. Die Pharisäer hatten umfangreiche Reinigungsbräuche, sowohl für den Tempelbereich als auch für Haushaltsgeräte. Nichts Unreines sollte an die Speisen kommen. Wie leicht kann man sich einem solchen Ritual hingeben? Putzen und nochmals putzen. Kein Staubkörnchen und keine Bakterie darf sich mehr in den Räumlichkeiten befinden. Dabei macht Jesus ihnen den Vorwurf, das sie selbst innerlich voll Besitzgier seien, regelrecht geknechtet durch ihre Geldgier. Die Wurzel des Übels ist also im Innern. Es sind nicht die Staubkörner und Spinngeweben, die Probleme bereiten, es sind die Gedanken. Zu diesem katastrophalen inneren Zustand kommt dann noch die äußere Heuchelei. Nach außen hin will man den Schein bewahren und putzt sich und die Umgebung wie Weltmeister.
Jesus macht auf den inneren Zustand in Matthäus 15,19 – 20 aufmerksam:

„Denn aus dem Herzen kommen böse Gedanken, Mord, Ehebruch, Unzucht, Diebstahl, falsches Zeugnis, Lästerung. Das sind die Dinge, die den Menschen unrein machen. Aber mit ungewaschenen Händen essen, macht den Menschen nicht unrein.“

Nicht das Äußere ist so wichtig. Da kann mal ruhig ein Staubkörnchen liegenbleiben. Es sind die Worte, die unsere Gedanken und Vorgänge unseres Herzens wiedergeben, die oftmals für die große Unsauberkeit sorgen. Wenn die Worte jedesmal Staub und Schmutz mit hochbringen würden, kämen viele aus dem Putzen überhaupt nicht mehr raus. Jesus macht damit aber auch deutlich, dass es kein neutrales Denken gibt. Es stimmt entweder mit Gottes Denken überein oder ist gegen seine Absichten gerichtet.
Jesus sagt hier klar und deutlich, dass die menschlichen Gedanken laufend gegen Gottes Grundgesetz – die zehn Gebote – verstoßen. Wenn man ehrlich ist, dann muss man das blind unterschreiben. Es entspricht der Wahrheit. Was nun? Dieser Zustand ist ja nicht haltbar. Jetzt ist es allerdings nicht möglich, in den nächsten Supermarkt zu gehen und einen großen Kanister Reinigungsmittel für das Herz zu kaufen. Von dieser Unreinheit kann sich kein Mensch selbst befreien. Nur Jesus kann uns davon reinigen aber will man das wirklich? Will sich der moderne selbstbewußte Mensch in die Hand Jesu begeben und sich innerlich reinigen lassen oder will er nicht lieber weiterhin wie ein Weltmeister die Chemie in seinen Räumlichkeiten verteilen und putzen und putzen? Das äußere Reinhalten ist zwar anstrengend aber doch leichter als sich Jesus anzuvertrauen und sich innerlich reinigen zu lassen. Nur retten kann kein Reinigungsmittel, kein Aufnehmer und kein Staubsauger, das kann nur Jesus und daher ist die innere Reinigung viel wichtiger als die äußere.

 

 

 

 

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