Der reiche Kornbauer

von Hans Erwin Schotten

 

Lukas 12, 16 – 21: „Und er sagte ihnen ein Gleichnis und sprach: Es war ein reicher Mensch, dessen Feld hatte gut getragen. Und er dachte bei sich selbst und sprach: Was soll ich tun? Ich habe nichts, wohin ich meine Früchte sammle. Und sprach: Das will ich tun: ich will meine Scheunen abbrechen und größere bauen, und will darin sammeln all mein Korn und meine Vorräte und will sagen zu meiner Seele: Liebe Seele, du hast einen großen Vorrat für viele Jahre; habe nun Ruhe, iß, trink und habe guten Mut! Aber Gott sprach zu ihm: Du Narr! Diese Nacht wird man deine Seele von dir fordern; und wem wird dann gehören, was du angehäuft hast? So geht es dem, der sich Schätze sammelt und ist nicht reich bei Gott.“

 

In letzter Zeit habe ich oft den Spruch gehört, dass jemand das Leben voll im Griff hat. Das hat sich der reiche Kornbauer auch wohl gedacht.
In Israel blühte zur Zeit Jesu die Landwirtschaft. Es handelt sich bei diesem Landwirt wohl um einen Großgrundbesitzer, der eine überdurchschnittliche Ernte eingefahren hatte.
Was nun? Wohin mit dem Ertrag? Ich weiß was ich tue, ich baue eine neue Scheune, ich sammle darin meine Früchte, ich hab dann genug für Jahre, ich kann es dann locker angehen lassen, ich kann meinen Reichtum dann voll genießen, ich hab alles im Griff, ich, ich, ich ... Kein Gedanke verschwenden an Gott, schließlich ist es mein Acker, meine Arbeit, mein Regen, mein Gedeihen. Das Gott das Gedeihen schenkt, kommt ihm nicht in den Sinn. Wie soll solch eine Seele Ruhe finden? Kann eine Seele im Besitz Ruhe finden? Kann man sie füllen mit Wein, Essen und Besitz? Hat Gott die Seele so angelegt, das sie sich auf eine solch plumpe Art befriedigen läßt? Hat sie nicht auch den Hunger nach Gott, nach seinem Wort?
Jedenfalls war die Seele dieses Mannes gefüllt mit Materiellem. Nur der volle Bauch interessierte ihn. Er machte drei entscheidende Fehler:
1. Er versuchte seine Seele zu täuschen, indem er sie auf die Befriedigung durch den Materialismus trimmte. Seine Selbstgespräche deuten schon an, dass ihm dies nicht gelingen kann. Ich muss mich um meine Aktien, meinen finanziellen Ertrag, meine Autos kümmern.

 

2. Alles dreht sich um seinen Besitz. Er denkt nur an sich und sein Habe. Wo bleibt der Nächste? Wo bleiben die Almosen? Wo die guten Taten? Für ihn existierte nur er. Sein Acker, seine Scheune, sein Ertrag. Das Geschäft erfordert eben den ganzen Menschen achtzehn Stunden am Tag, dann nimmt man eine Schlaftablette, um zur Ruhe zu kommen und morgens ein Aufputschmittel, um wieder voll ins Geschäft einzusteigen. Ach, liebe Seele gib doch Ruh. Du hast doch alles und sie tut es nicht.
3. Als viel beschäftigter Mann hatte er natürlich keine Zeit, auch nur einen Gedanken auf Gott zu verschwenden. Kein Gedanke, keine Verantwortung. Gott hat mit meinem Geschäft nichts zu tun. Das habe ich mit meiner Intelligenz aufgebaut. Gott ist im Himmel, ich bin hier und ich hab alles voll im Griff.
Die Folge dieses Denkens: Habgier verschließt das Herz.
Menschen mit dieser Einstellung sind innerlich hohl. Der Materialismus kann die Seele nicht auffüllen und der Intelligenteste wird zum Narren, wenn er nicht mit Gott rechnet. Wenn Gott beschließt: Das war es, dein Leben ist zu Ende, was dann? Den Besitz mit einpacken in den Sarg geht nicht. Wo hat man dann alles im Griff? Hat Gott einen da nicht im Griff? Ist er nicht derjenige, der bestimmt?
Gott der Vater und Jesus arbeiten gern mit Fragen. Warum? Sie sollen zum Nachdenken und zur Besinnung führen. Wer den Kopf gebraucht, hat eine Chance. Jesus fragte einmal in Lukas 10, 26: „... Was steht im Gesetz geschrieben? Was liest du?“ Denk doch mal nach, gebrauche deinen Kopf. Gott fragte in 1.Mose 4, 6 den Kain: „... Warum ergrimmst du? Und warum senkst du deinen Blick?“ So fragt hier Gott was denn mit dem Besitz geschehen soll, wenn er heute Nacht die Seele von dem reichen Mann fordert. Dieser Großgrundbesitzer hatte die Chance nachzudenken.
 

Das Gleichnis endet mit dieser Frage. Eine Antwort gibt es nicht, weil jeder Mensch die Antwort für sich geben muss. Jedem ist diese Frage gestellt: Hast du das Leben im Griff oder ich (Gott) und was wird dann mit dir und deinem Besitz wenn ich deine Seele fordere?
Jesus stellt hier die Gier nach irdischem Besitz und den Hunger nach Gott gegenüber und fordert eine Antwort. Eines ist allerdings schon klar: eine selbstsüchtige Anhäufung von Besitz läßt sich nicht mit der Nachfolge Jesu vereinbaren.

 

 

 

 

 

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