Der Tempel Gottes 

von Hans-Erwin Schotten 

 

Salomo baute den ersten Tempel für den Gott Israels. Nach seinem Gebet in1. Könige 8 antwortete Gott ihm im Kapitel 9, 3 „Und der HERR sprach zu ihm: Ich habe dein Gebet und Flehen gehört, dass du vor mich gebracht hast, und habe dies Haus geheiligt, das du gebaut hast, daß ich meinen Namen dort wohnen lasse ewiglich, und meine Augen und mein Herz sollen da sein allezeit.“ Wer Gott ein wenig kennt, weiß, dass diese großartigen Zusagen an Bedingungen geknüpft sind, die Gott auch ab Vers 6 auflistet: „Werdet ihr euch aber von mir abwenden, ihr und eure Kinder, und nicht halten meine Gebote und Rechte, die ich euch vorgelegt habe, und hingehen und anderen Götterndienen und sie anbeten, so  werde ich Israel ausrotten aus dem Lande, das ich ihnen gegeben habe, und das Haus, das ich meinem Namen geheiligt habe; will ich verwerfen von meinem Angesicht; und Israel wird ein Spott und Hohn sein unter allen Völkern.“ Gott stellt klare Bedingungen, wenn er seinen Namen in dem Tempel, der sicherlich für die damalige Zeit imposant war, wohnen lassen soll. Er will klare Verhältnisse und ein Volk, das sich bewusst darüber ist, eine Beziehung zu dem Schöpfer des Universums eingegangen zu sein. Lassen wir ein paar hundert Jahre in der Geschichte verstreichen und werfen wir wieder einen Blick auf den Tempel zur Zeit Jeremias. Der Tempel steht aber die Umstände haben sich verändert. 10 Stämme, die nördlich von Jerusalem wohnten, sind schon nicht mehr da. Sie wurden von den Assyrern weggeführt und nun sieht die politische Großwetterlage auch nicht gut aus. Ein schwächelndes Ägypten im Südwesten und ein immer stärker werdendes Babylon im Norden. Wenn Ägypten verliert und dies geschah so in der Schlacht zu Karkemisch, dann war mit dem Einmarsch der Babylonier zu rechnen. Davor hatte Jeremia schon gewarnt, aber warum, wenn Gottes Name doch im Tempel wohnte? So heißt es denn in Jeremia 7, 3-4: „So spricht der Herr Zebaoth, der Gott Israels: Bessert euer Leben und euer Tun, so will ich bei euch wohnen an diesem Ort. Verlaßt euch nicht auf Lügenworte, wenn sie sagen: Hier ist des HERRN Tempel, hier ist des HERRN Tempel, hier ist des HERRN Tempel.“ Und in Vers 9ff wird Gott noch deutlicher: „Ihr seid Diebe, Mörder, Ehebrecher und Meineidige und opfert dem Baal und lauft fremden Göttern nach, die ihr nicht kennt. Und dann kommt ihr und tretet vor mich in diesem Hause, das nach meinem Namen genannt ist, und sprecht: Wir sind geborgen, - und tut weiter solche Greuel. Haltet ihr denn dies Haus, das nach meinem Namen genannt ist, für eine Räuberhöhle? Siehe, ich sehe es wohl, spricht der Herr.“

 

Das Wort „Räuberhöhle“ wird uns gleich noch einmal begegnen. Jesus nimmt es wieder auf. Offensichtlich hatten die Hauspropheten und Hoftheologen das Volk mit falschen Botschaften irregeführt. Sie waren der Meinung, solange dies Gebäude aus Stein und Holz steht kann hier nichts geschehen. Wir sind sicher, Nebukadnezar und seine Babylonier können uns nichts anhaben.

 

Parallelzu Jeremia in Jerusalem lebte sein Prophetenkollege Hesekiel in Babylon. In einer Vision sah er folgendes, Hesekiel 10, 18: „Und die Herrlichkeit des HERRN ging wieder hinaus von der Schwelle des Tempels und stellte sich über die Cherubim.“ Weiter in Kapitel 11,20: „Und die Herrlichkeit des HERRN erhob sich aus der Stadt und stellte sich auf den Berg, der im Osten vor der Stadt liegt.“ Damit stand dort nur noch ein leeres Gebäude mit ein paar Gegenständen aber Gott hatte es verlassen und die Hofprediger hatten falsch gepredigt. Jeremia 52, 12-13: „Am zehnten Tage des fünften Monats, das ist das neunzehnte Jahr Nebukadnezars, des Königs von Babel, kam Nebusaradan, der Oberste der Leibwache, der stets um den König von Babel war, nach Jerusalem und verbrannte das Haus des HERRN und das Haus des Königs und alle Häuser von Jerusalem, alle großen Häuser verbrannte er mit Feuer. „Das war das Ende des ersten Tempels.

 

Fazit: Ein noch so schönes Gebäude prachtvoll ausgestattet kann den Gehorsam Gottes Geboten gegenüber nicht ersetzen. Gott will keinen Prachtbau bei gleichzeitiger Mißachtung seiner Anordnungen. So ging Juda für siebzig Jahre in babylonische Gefangenschaft. Danach kamen sie in die völlig zerstörte Stadt zurück und bauten einen zweiten Tempel zu dem Jesus kam, allerdings war der Tempel zu dem Zeitpunkt von Herodes aufwendig „renoviert“ worden. Ein regelrechtes Schmuckstück, auf das die Menschen stolz waren. Jesus nähert sich dem Tempel und folgende Szene spielte sich ab, Markus 11, 15-17: „Und sie kamen nach Jerusalem. Und Jesus ging in den Tempel und fing an, auszutreiben die Verkäufer und Käufer im Tempel; und die Tische der Geldwechsler und die Stände der Taubenhändler stieß er um und ließ nicht zu, daß jemand etwas durch den Tempel trage. Und er lehrte und sprach zu ihnen: Steht nicht geschrieben (Jesaja 56, 7): „Mein Haus soll ein Bethaus heißen für alle Völker“? Ihr aber habt eine Räuberhöhle daraus gemacht.“ Da ist das Wort wieder. Hatten die Menschen nicht die Lehre aus der Vergangenheit gezogen? Nach Jesu Aussage wohl nicht. Auch hätten sie sofort an die Stellen in Hesekiel denken sollen als folgendes Ereignis geschah. Lukas 24, 50-51:  „Er führte sie aber hinaus bis nach Betanien und hob die Hände auf und segnete sie. Und es geschah, als er sie segnete, schied er von ihnen und fuhr auf gen Himmel.“ Wieder steht der Ölberg im Mittelpunkt. Von dort hat sich die Herrlichkeit des HERRN erhoben und jetzt der Messias. Selbst wenn viele Jerusalemer dies nicht direkt gesehen haben, gesprochen wurde darüber wohl viel. Sie haben aber Gottes Anweisung und Handeln ignoriert.

 

Was dann vierzig Jahre später geschah ist Geschichtsfaktum und von Josephus ausführlich beschrieben. Wieder ist der Tempel zerstört und bis zur Gegenwart wurde kein neuer errichtet. Fazit: Gehorsam und aufmerksames Beachten von Gottes heilsgeschichtlichem Handeln ist sehr wichtig.

 

Damit ist die Geschichte des Tempels allerdings noch nicht vorbei. Paulus greift diesen Begriff erneut auf und füllt ihn mit neuem Inhalt. So schreibt er in 2. Kor. 6,16: „Was hat der Tempel Gottes gemein mit den Götzen? Wir aber sind der Tempel des lebendigen Gottes …“Warum sind Christen jetzt ein Tempel Gottes? Paulus selbst gibt die Antwort in 1. Kor. 6, 19: „Oder wißt ihr nicht, daß euer Leib ein Tempel des heiligen Geistes ist, der in euch ist und den ihr von Gott habt, und daß ihr nicht euch selbst gehört?“ Christen sind also deshalb ein Tempel, weil Gott in seiner großen Gnade seinen Geist in ihrem Leib wohnen läßt. Hat dies ähnliche Konsequenzen wie die bei Jeremia? Kann ein Christ leben wie er will? Paulus schreibt dazu in 1. Kor. 3, 17: „Wenn jemand den Tempel Gottes verdirbt, den wird Gott verderben, denn der Tempel Gottes ist heilig; der seid ihr. “Als Christen hat Jesus einen Bund mit uns geschlossen und wir haben den Geboten dieses Bundes zu gehorchen. Geben wir unserem Herrn keinen Anlaß, uns zu verderben.

 

 

 

 

 

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